logo-nano-apotheken

Gesundheitsnews


Geschmacksstörungen können den Appetit gänzlich verderben und sogar zu Unterernährung und Mangelerscheinungen führen.

Ob süße Kuchen, deftige Schweinshaxe oder ein edler Wein: Lecker essen und trinken ist ein wichtiger Bestandteil der Lebensqualität. Ist der Geschmackssinn gestört, fehlt nicht nur der Genuss. Ohne Appetit wird oft zu wenig gegessen und es drohen Gewichtsverlust und Mangelerscheinungen. Ursachen für Geschmacksstörungen gibt es etliche, darunter auch Medikamente. Doch was können Betroffene tun, um wieder genussvoll zu schmecken?

Warnsignal und Appetitanreger

Schmecken ist mehr als ein angenehmer Sinneseindruck. Der Geschmackssinn hat eine wichtige Funktion für den Körper, denn er gibt dem Menschen Informationen darüber, ob Nahrung genießbar und bekömmlich ist. Dafür kann der Mensch fünf verschiedene Qualitäten unterscheiden. Jede dieser Geschmäcker hat eine Aufgabe, die z.T. in früheren Zeiten ernährungsphysiologisch von großer Bedeutung waren.

  • Süß wird durch Kohlenhydrate und einige Proteine vermittelt. Ein süßer Geschmack weckt die Lust auf kalorienreiche Nahrung geweckt. In Zeiten des Nahrungsüberangebots unterstützt die Empfindung „süß“ und der dadurch ausgelöste Wunsch nach „Mehr“ allerdings die Entwicklung von Übergewicht.
  • Sauer wird durch Wasserstoffionen (H+) ausgelöst. Säure warnt z.B. vor unreifen Früchten, vergorenen oder verdorbenen Speisen.
  • Salzig wird durch andere Ionen hervorgerufen, u.a. durch Natrium-, Kalium- und Chloridionen. Der Salzgeschmack ist wichtig für den Elektrolythaushalt. Ist der Salzgehalt im Blut zu niedrig, lösen salzige Speisen die Lust auf mehr davon aus.
  • Bitter kommt durch viele verschiedene Substanzen zustande. Dazu gehören Koffein und Chinin, aber auch Tannine im Wein, Flavonoide in Schokolade sowie Strychnin und Nikotin. Ein sehr starker Bittergeschmack kann den Würgereflex auslösen und damit vor Vergiftungen schützen.
  • Umami (oder auch würzig, herzhaft) wird vor allem durch die Aminosäuren Glutamat und Aspartat vermittelt. Die Geschmacksempfindung weckt den Wunsch nach weiterer proteinreicher Nahrung.

Aufgenommen wird der Geschmacksreiz über Rezeptoren, die Geschmackssinneszellen. Sie leiten den Reiz dann über Nervenfasern an das Gehirn. Die entsprechenden Nerven sind der Fazialnerv (Gesichtsnerv), der Vagusnerv und der Zungen-Rachen-Nerv. Im Geschmackszentrum der Großhirnrinde wird der Sinneseindruck dann verarbeitet und interpretiert.

Von den Geschmackssinneszellen gibt es drei verschiedene Typen: Eine für süß, bitter und umami, eine für salzig und eine für sauer. Die Geschmackssinneszellen sind zu Geschmacksknospen angeordnet, wobei jede einzelne Geschmacksknospe alle drei Arten von Sinneszellen enthalten kann. Erwachsene haben bis zu 8000 solcher Geschmacksknospen, die Anzahl nimmt allerdings mit dem Altern ab. Die Knospen sitzen am weichen Gaumen, im Rachen, am Kehlkopf und vor allem in den Geschmackspapillen auf der Zungenoberfläche.

Geschmack kommt allerdings nicht allein durch die Geschmacksknospen zustande. Um Speisen allumfänglich genießen und schmecken zu können, benötigt der Mensch auch den Geruchssinn. Das merkt man schon daran, dass bei Erkältung mit verstopfter Nase vieles nicht mehr so wie gewohnt schmeckt. Auch die Konsistenz und die Oberflächenbeschaffenheit der Nahrung spielt eine Rolle: Sie wird über sensible Nervenfasern erfasst. Geschmack, Geruch und Gefühl zusammen bilden das vollständige Geschmackserlebnis.

Hinweis: Scharf ist keine Geschmacksempfindung. Schärfe wird durch die Substanz Capsaicin ausgelöst und über sensible Nervenendigungen des Trigeminusnerven vermittelt.

Wenn Süßes bitter schmeckt

Es gibt zwei Gruppen von Geschmacksstörungen: Am häufigsten beklagt werden qualitative Veränderungen des Geschmacksempfindens. Bei einer Parageusie (gesprochen Pa-ra-ge-u-sie) nimmt die Betroffene Geschmack anders wahr, oft wird z.B. salzig oder süß als bitter empfunden. Manchmal kommt es auch zu Geschmackseindrücken ohne jeden Reiz, dann spricht man von einer Phantogeusie.

Quantitative Geschmacksstörungen, also Veränderungen der Geschmacksintensität, sind seltener. Bei der Hypogeusie ist der Geschmack vermindert. Sie soll bei etwa 5% der Allgemeinbevölkerung vorliegen. Dabei können alle fünf Qualitäten oder nur eine einzelne Qualität betroffen sein. Der vollständige Verlust der Geschmackswahrnehmung, die Ageusie, ist extrem selten. Das Gleiche gilt für die gesteigerte Geschmacksempfindung (Hypergeusie).

Die Folgen von Geschmacksstörungen können erheblich sein. Zum einen verringern sie die Lebensfreude, bei manchen Betroffen führen sie sogar zu Depressionen. Geht der Appetit verloren, nehmen vor allem ältere Menschen oft nicht mehr genug Nahrung zu sich. Es drohen Untergewicht und Nährstoffmangel. Manche Betroffene versuchen auch, eine verminderte Geschmacksintensität mit erhöhtem Konsum von Zucker oder Salz auszugleichen. In diesen Fällen steigt das Risiko für Bluthochdruck, Übergewicht und Diabetes mellitus.

Wo kommt die Schmeckstörung her?

Die ersten Hinweise auf eine Geschmacksstörung gibt meist die Patient*in selbst. Dann versucht die Ärzt*in, die Schmeckstörung klinisch nachzuweisen. Dazu dienen verschiedene Tests, bei denen die Geschmacksqualitäten erkannt werden sollen, manchmal ist auch ihre Intensität auf einer Skala einzustufen. Bei der Drei-Tropfen-Methode bekommen die Patienten zwei geschmacklose Tropfen (z.B. Wasser) und einen Tropfen mit Geschmack auf die Zunge geträufelt. Nun müssen sie den einen Tropfen mit Geschmack erkennen und seine Qualität benennen (süß, sauer, salzig, bitter). Häufig wird in aufsteigender Konzentration getropft, um die Erkennungsschwelle zu bestimmen. Manchmal werden zum Testen auch feste Schmeckstreifen verwendet.

Wenn die Ärzt*in eine Geschmacksstörung diagnostiziert hat, muss deren Auslöser gefunden werden. Zu Störungen des Geschmacks kann es auf verschiedene Arten kommen. Hauptursachen sind

  • Schädel-Hirn-Verletzungen. Unfälle und Kopfverletzungen können den Verlauf der Geschmacksnerven beeinträchtigen oder den Geschmacksbereich der Großhirnrinde schädigen.
  • Infektionen. Ein Beispiel ist eine Infektion mit Herpes zoster. Sie schädigen häufig die Schmeckfasern des Fazialnerven. Auch bei COVID-19 sind Geschmack- und Geruchssinnn oft gestört.
  • Kontakt mit toxischen Substanzen. Etliche Arbeitsstoffe können bei ständiger Exposition ohne geeignete Schutzeinrichtung den Geschmackssinn schädigen. Bekannt ist dies von Dämpfen und Partikeln der Metallverarbeitung und bei Verwendung von Lösungsmitteln wie Benzol und Toluol.
  • Operationen oder Bestrahlungen. Bei Eingriffen im Mund, im Gesicht oder am Gehirn werden manchmal Nerven oder Gehirngewebe verletzt. Möglich ist dies z.B. bei Operationen am Zungengrund, Tumorentfernungen oder bei einer Cochlea-Implantation im Mittelohr.
  • Burning-Mouth-Syndrom. Diese Erkrankung tritt vor allem bei Frauen nach der Menopause auf. Dabei kommt es neben dem brennenden Gefühl im Mund zu einem andauernden metallischen oder bitteren Geschmack. Als Ursache werden hormonelle Faktoren, Depressionen oder ein Vitaminmangel diskutiert.

Daneben gibt es noch eine Vielzahl anderer Erkrankungen, die das Schmecken beeinflussen. Sie reichen vom Diabetes mellitus über neurodegenerative Erkrankungen und Schilddrüsenerkrankungen bis zu Leber- und Nierenversagen. Auch ein Mangel von Eisen, Vitamin-A, B1, B2 oder B6 kann Geschmackstörungen begünstigen.

Ein weiterer wichtiger Grund für Schmeckstörungen ist die Einnahme von Medikamenten. Manche Wirkstoffe verringern den Speichelfluss, wodurch die Geschmacksknospen austrocknen und nicht mehr richtig funktionieren. Andere Substanzen schädigen die Mundschleimhaut und damit die Papillen und Geschmacksknospen direkt. Einige greifen auch in die Reizweiterleitung am Nerven ein. Bei vielen Medikamenten ist allerdings noch nicht bekannt, wie sie den Geschmackssinn beeinträchtigen. Typische medikamentöse Geschmacksstörer sind:

  • Antibiotika (z.B. Aminoglykoside, Penicillin, Makrolide, Anti-Pilzmittel)
  • Herz-Kreislauf-Medikamente (z.B. ACE-Hemmer, Betablocker, Amiodaron)
  • Antidepressiva, Antiepileptika, Hypnotika und Sedativa
  • Schmerzmittel (z.B. Fentanyl)
  • Schleimlöser (z.B. Ambroxol)
  • Kortison (vor allem als Spray)
  • Immunmodulatoren (z.B. Interferon alpha, Lenalidomid)
  • Bisphosphonate (z.B. Alendronsäure).

Trotz der vielen möglichen Auslöser bleibt die Ursache eines gestörten Geschmacks oft unklar. Dann spricht man von einer idiopathischen Schmeckstörung.

Hinweis. Mangelnde Mundhygiene kann den Geschmackssinn ebenfalls beeinträchtigen. Zu beachten ist allerdings, dass auch die übertriebene Anwendung von Mundwasser manchmal zu Schmeckstörungen führt.

Von künstlichem Speichel bis Zink Geschmacksstörungen im Zusammenhang mit Systemerkrankungen bessern sich häufig, sobald die Grunderkrankung behandelt oder deren Therapie optimiert wird. Bei einigen der genannten krankheitsbedingten Ursachen erholt sich das Geschmacksempfinden auch von selbst wieder – z. B. nach Schädel-Hirn-Verletzungen oder Infektionen. Auch das Burning Mouth Syndrom bildet sich in etlichen Fällen wieder zurück – was jedoch Jahre dauern kann.

Je nach vermutetem Auslöser können folgende Maßnahmen den Geschmackssinn wieder auf Trab bringen:

  • Bei trockenem Mund (z.B. durch speichelreduzierende Medikamente) helfen oft Speichelersatzprodukte. Zusätzlich sollte möglichst viel getrunken werden.
  • Sind Nikotin oder Kaffee verantwortlich, gilt es, diese Genussstoffe zu meiden.
  • Haben Medikamente die Geschmacksstörung ausgelöst, erholt sich der Geschmackssinn häufig spontan wieder, wenn das entsprechende Präparat (unter ärztlicher Aufsicht!) abgesetzt oder durch ein anderes ersetzt wird.
  • Werden als Ursache Vitamin- oder Mineralstoffmängel vermutet, lohnt sich deren Nachweis und die Substitution durch Nahrungsergänzungsmittel.

Für die idiopathische Schmeckstörungen ist Zink eine Option. Die Leitlinie empfiehlt die tägliche Gabe von 140 mg Zinkglukonat über vier Monate. Da diese Dosierung über der empfohlenen täglichen Zinkzufuhr liegt, sollte die Therapie ärztlich überwacht werden. Eine Übertherapie ist zu vermeiden, da ein Zuviel an Zink ebenfalls Geschmacksstörungen auslösen kann. Außerdem droht bei Zinküberschuss ein Kupfermangel.

Auch je nach Art der Geschmacksstörung gibt es hilfreiche Tipps:

  • Ist nur der salzige Geschmack betroffen, lohnt ein Versuch mit Gewürzsalz (enthält neben Natriumchlorid noch Natriumglutamat).
  • Ist der Geschmack für Süßes gestört, sollte nicht der Zuckerkonsum erhöht , sondern auf Süßstoffe umgestiegen werden.
  • Bei allgemein verminderter Geschmackswahrnehmung hilft es, den Trigeminusnerv anzuregen. Das geschieht durch scharfe Gewürze wie Chili, Ingwer, Meerettich, aber auch durch stark Lebensmittel mit ausgeprägter Oberflächenstruktur wie Fruchtsäfte mit reichlich Fruchtfleisch.
  • Bei starker Hypogeusie helfen manchmal auch künstliche Aromen, um die Lust am Essen zu wecken.

Schmeckt man zu intensiv oder schmeckt alles unangenehm, können folgende Maßnahmen helfen:

  • regelmäßige Mundspülungen
  • Kaugummikauen
  • Eiswürfel lutschen
  • betäubende Lösungen (Lidocain) als Gel auf die Zunge auftragen oder als Spray in die Mundhöhle sprühen.

Hinweis: Vor allem bei alten Menschen mit Geschmacksstörungen drohen Gewichtsverlust und Mangelerscheinungen. Um dies zu verhindern, muss auf eine ausreichende und ausgewogene Ernährung geachtet werden. Manchmal ist es auch erforderlich, Nahrungsergänzungsmittel zuzuführen.

Quellen: S2k-Leitlinie (Langfassung) Riech- und Schmeckstörungen, AWMF-Register-Nr. 017/050 DAZ 2024, Nr. 3, S. 52, 18.01.2024

22.06.2024 | Von: Dr. med. Sonja Kempinski | Foto: mauritius images / Stockbroker RF


Smarte Einlegesohlen konnten in einer Studie diabetischen Fußgeschwüren vorbeugen

Fußgeschwüre haben bei Menschen mit Diabetes ein leichtes Spiel. Nun haben Ärzt*innen eine neuartige Einlegesohle untersucht, die Geschwüren vorbeugen soll.

Bei Diabetes gefürchtet

Diabetiker*innen müssen auf ihre Füße aufpassen, denn der diabetische Fuß ist eine gefürchtete Komplikation. Der hohe Zuckergehalt im Blut schädigt kleine Blutgefäße und Nerven – mit der Folge, dass in den Füßen langsam das Gefühl verloren geht. Kleine Steinchen in den Schuhen oder Druckstellen nehmen die Betroffenen nicht mehr richtig wahr. Das begünstigt die Entstehung von Wunden. Durch die Durchblutungsstörung ist auch die Wundheilung beeinträchtigt. Schon kleinste Kratzer können zu langwierigen Fußgeschwüren führen. Eine konsequente Fußpflege ist deshalb für Diabetiker*innen äußerst wichtig.

Sohle mit Extra

Forschende der Universität Magdeburg haben nun eine Einlegesohle untersucht, die Geschwüre verhindern soll. Das Besondere: In der Sohle ist ein Thermometer integriert. Darüber wurde zweimal am Tag Temperatur gemessen. Die Werte wurden über ein Smartphone an die Studienärzt*in übermittelt. Zusätzlich konnten auch Fotos der Füße und Kommentare mitgegeben werden. Wenn die Temperatur über 3 Tage erhöht gewesen ist, sollten die Patient*innen ihre Füße entlasten. Mit Erfolg: Bei keinem der 140 Patient*innen mit dieser neuen Einlegesohle entwickelte sich in einem Zeitraum von 2 Jahren ein Geschwür. Zum Vergleich wurden 143 Menschen mit Diabetes über 2 Jahre untersucht, die keine Sohle mit Temperaturfühler erhalten hatte. In dieser Gruppe haben 5 Patient*innen ein Fußgeschwür entwickelt.

Arbeit geht weiter

Das Fazit der Forschenden ist also positiv. Sie arbeiten nun daran, die neuartige Einlegesohle als Medizinprodukt zu zertifizieren. Dieser Schritt ist notwendig, damit die Sohle von den Krankenkassen erstattet werden kann.

Quelle: internisten im Netz

21.06.2024 | Von: Dr. Tobias Höflein | Foto: mauritius images / Andriy Popov / Alamy / Alamy Stock Photos


Schwangere sollten auch im Salat besser auf veganen Käse besser verzichten, da dieser Listerien enthalten kann.

Produkte aus Rohmilch können Listerien enthalten. Vegane Ersatzprodukte wie z.B. Käse aus Nussmilch galten bisher als sichere Alternative – vor allem für Schwangere, für die Listerien besonders gefährlich sind. Doch weit gefehlt. Aktuelle Fälle zeigen, dass auch veganer Käse die gefährlichen Keime beherbergen kann.

Bessere Lebensbedingungen als in Kuhmilch

Dass Listerien allgegenwärtig sind und in roher Milch, rohem Fleisch und Fisch und sogar in Obst und Gemüse vorkommen weiß man schon lange. Neu ist, dass sich die Bakterien nicht ausschließlich in tierischen Produkten tummeln. 2023 konnten Wissenschaftler*innen nachweisen, dass Listerien in pflanzenbasierter Milch sogar besser gedeihen als in Kuhmilch, zumindest außerhalb des Kühlschranks.

Für gesunde Menschen ist eine Infektion mit Listerien in der Regel harmlos. Anders sieht das in der Schwangerschaft aus: Infizieren sich werdende Mütter damit, drohen Früh- und Totgeburten. Und auch eine weitere Personengruppe entwickelt bei Listerieninfektionen oft schwere Verläufe. Dazu gehören diejenigen, deren Immunsystem geschwächt ist – z. B. weil sie an einer Autoimmunerkrankung leiden oder immunverändernde Medikamente wie Kortison oder Antirheumatika einnehmen.

Käse von einer Marke verzehrt

Menschen aus Risikogruppen tun also gut daran, potenziell belastete Lebensmittel zu vermeiden. Als sichere Alternative galten bisher pflanzenbasierte Ersatzprodukte. Im Fall von veganem Käse muss man jetzt aber offensichtlich umdenken, wie mehrere akute schwere Infektionen zeigen.

Die Betroffenen hatten halbfeste Käseersatzprodukte auf Basis von Mandel-, Cashew- oder Kokosmilch gegessen und sich dabei mit Listerien infiziert. Die Folgen waren ernst: Vier Schwangere erlitten Fehlgeburten, eine Schwangere erkrankte an einer Sepsis, ein Neugeborenes an Meningitis und eine immunsupprimierte 38-Jährige an einer Meningoenzephalitis. Die isolierten Bakterien waren genetisch nahezu identisch. Nach Befragung der Betroffenen stellte sich heraus, dass sie alle veganen Käse einer Marke verzehrt hatten.

In den USA wurden inzwischen auch Ausbrüche von Salmonelleninfektionen durch veganen Käse beobachtet. Um bakterielle Infektionen zu vermeiden, sollten Schwangere und Immungeschwächte deshalb nicht nur auf Rohmilchprodukte, rohes Fleisch und abgepackten Salat verzichten, sondern besser auch auf vegane Käseersatzprodukte.

Quelle: Ärzteblatt

20.06.2024 | Von: Dr. med. Sonja Kempinski | Foto: mauritius images / Lev Dolgachov / Alamy / Alamy Stock Photos


Das neue Ultra-Langzeit-Basalinsulin muss nur einmal in der Woche unter die Haut gespritzt werden.

Wenn Menschen mit Typ-2-Diabetes Insulin benötigen, scheuen sie oft die tägliche Insulinspritze. Für sie gibt es gute Nachrichten: Kürzlich wurde das erste Wocheninsulin zugelassen. Es deckt den Basalinsulinbedarf einer Woche mit nur einer Spritze.

Vom Hundepankreas zur Bakterienproduktion

Vor 100 Jahren gelang es zwei kanadischen Forschern erstmals, Insulin aus der Bauchspeicheldrüse eines Hundes zu isolieren. Das was der Startschuss für die Therapie einer Erkrankung, die bis dahin meist innerhalb weniger Jahre tödlich verlief: Diabetes. Noch heute wird der Diabetes mit Insulin behandelt. Inzwischen gewinnt man das Hormon allerdings nicht mehr aus tierischen Bauchspeicheldrüsen, sondern mithilfe von gentechnisch veränderten Bakterien.

Außerdem gibt es heute eine Vielzahl unterschiedlicher Insulinpräparate. Einige haben eine beschleunigte, andere eine verzögerte Wirkungsweise. Auch die Verabreichungsform variiert: Zwar muss das Hormon immer gespritzt werden, das kann aber durch die Patient*in selbst oder mithilfe einer Insulinpumpe geschehen. Mit diesen Weiterentwicklungen lässt sich die Therapie immer besser an das Leben der Erkrankten anpassen.

Bluteiweiß wird zum Insulinspeicher

Jetzt gibt es eine weitere Neuheit in der Insulinfamilie. Im März wurde von der Europäischen Kommission die Zulassung für das erste Wocheninsulin erteilt. Insulin icodec hat eine sogenannte Ultra-Langzeitwirkung und muss als Basalinsulin nur einmal wöchentlich unter die Haut gespritzt werden. Das neue Insulin bindet sich stark an das Bluteiweiß Albumin und wird von diesem nur sehr langsam wieder abgegeben. Dadurch entsteht eine Art Insulinspeicher, der nur einmal wöchentlich durch die Injektion wieder aufgefüllt werden muss.

Sechs weltweit durchgeführte Studien konnten zeigen, dass das Wocheninsulin den Blutzucker genauso gut senkt wie täglich zu spritzende Insuline. Dabei traten sogar seltener Unterzuckerungen auf. Auch der Langzeitwert des Blutzuckers, der HbA1c, wurde zuverlässig gesenkt.

Zum Einsatz kommen soll das Wocheninsulin vor allem bei Typ-2-Diabetiker*innen. Fachleute erhoffen sich einen Vorteil für die Betroffenen, denen das häufige Spritzen schwer fällt. Denn so muss die Patient*in nur noch einmal wöchentlich und – falls nötig – zu den Mahlzeiten Insulin spritzen. Laut Hersteller soll das Präparat als Fertigpen in Deutschland so bald wie möglich zu Verfügung stehen.

Quelle: ptaheute, Ärztezeitung

19.06.2024 | Von: Dr. med. Sonja Kempinski | Foto: mauritius images / Pitopia / Alexander Raths